Routinen auf dem Prüfstand: Wie gesund sind deine Gewohnheiten?

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Nichts ist mächtiger als die Gewohnheit.

Ovid

Wie gesund sind eigentlich deine Gewohnheiten?

Hast du dir diese Frage schon einmal gestellt? Nein? Dann wird es vielleicht Zeit dafür!

Die Psychologie weiß nämlich schon sehr lange um die Bedeutung von Gewohnheiten und Routinen für unsere Lebensqualität. Unsere Gewohnheiten haben in vielen Bereichen massive Auswirkungen: für unseren Erfolg, unsere Beziehungen und vor allem für unsere Gesundheit!

Doch wie funktioniert das mit den Gewohnheiten eigentlich? Und warum betrachten manche sie zurecht als eine wahre Wunderwaffe gegen den inneren Schweinehund, der uns auf dem Sofa sitzen und Fernsehen lässt, während andere im Park joggen gehen?

Gewohnheiten: einfach und effektiv

Gewohnheiten werden als kleine, in sich abgeschlossene Handlungen betrachtet, die nahezu automatisch und daher mühelos ablaufen. Eine solche Gewohnheit kann sein, dass du immer vor dem Aufstehen als allererstes dein Wasserglas auf dem Nachttisch austrinkst. Sie kann aber auch sein, dass du gleich, wenn du von der Arbeit heimkommst, den Fernseher einschaltest. Mehrere Gewohnheiten, die hintereinander in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen, nennt man eine Routine. Dabei löst das Ende der einen Handlung gleich die nächste aus, ohne dass man extra darüber nachdenken müsste.

Sicherlich hast auch du schon die ein oder andere Routine in deinem Leben etabliert. Vielleicht hast du bei deiner Morgentoilette eine bestimmte, bewährte Reihenfolge, in der du die einzelne Handlungen vollführst. Oder du hast eine Art Ritual zum Entspannen und Abschalten am Feierabend. Jetzt kommt die wirklich spannende Frage: Warum hast du diese Routine genau so entwickelt?

Ich vermute, die Antwort ist: Weil sie funktioniert. Weil das einfach die praktischste Reihenfolge ist und es nur so „flutscht“, wenn du es genauso machst.

Ganz genau darum geht es bei Routinen auch. Sie sollen dir einen Gewinn bringen und dich entlasten. Durch den automatischen Ablauf musst du nahezu gar keinen gedanklicher Aufwand betreiben, um die einzelnen Handlungen zu vollführen. Und durch die festgelegte, sich gegenseitig bedingende Reihenfolge ist es auch nicht nötig, sich zu fragen: Was kommt als nächstes? Das Hirn läuft während des Ablaufs der Gewohnheit sozusagen im „Energiesparmodus“. So hat es mehr Zeit und Kapazität frei, damit du dir um wichtigere Dinge Gedanken machen oder dich einfach mental mal ausruhen kannst.

Viele Routinen entstehen „einfach so“ mit der Zeit von ganz alleine. Sie bewähren sich und werden dann beibehalten. Du nutzt dabei instinktiv die buchstäbliche „Macht der Gewohnheit“ für dich – und die ist nicht zu unterschätzen. Man könnte das Ganze in etwa so zusammenfassen:

Das Gute an Gewohnheiten ist, dass sie automatisch ablaufen. Das Schlechte an Gewohnheiten ist,… dass sie automatisch ablaufen!

Gute Gewohnheiten – Schlechte Gewohnheiten

Ich selbst habe auch lange Zeit nicht realisiert, dass Gewohnheiten und Routinen sowohl für mich, als auch gegen mich arbeiten können. Nehmen wir als Beispiel meine Ernährung. Schon länger achte ich an sich auf eine gesunde, ausgewogene Kost. Aber ich gebe zu, ich bin anfällig für Süßigkeiten. Vor allem dann, wenn sie offen auf dem Tisch herumstehen. Schnell ertappe ich mich dann immer wieder dabei, dass ich ohne nachzudenken, fast automatisch, einfach zugreife. In meinem Haushalt stehen daher allerhöchstens Obstschalen oder Teller mit geschnittenem Obst sichtbar auf dem Tisch.

Nun hatte sich zu meinem Leidwesen im Büro aber die Sitte eingebürgert, dass fast immer Schalen mit Süßigkeiten oder Knabbereien auf dem Gemeinschaftstisch standen. Und ehe ich mich’s versah, war ich meinen guten Vorsätzen in Punkto gesund Essen in schönster Regelmäßigkeit untreu. Nur ein kleiner Riegel, was schadet der schon? Zunächst einmal nichts. Ein kleiner Schokoriegel bewegt noch keine Welt oder die Anzeige der Waage. Ein kleiner Schokoriegel ist genauso schnell verspeist wie er vergessen ist. Umso wahrscheinlicher, dass sich ein weiterer dazu gesellt…. Das Verhängnisvolle daran ist, dass man relativ lange ein oder zwei Schokoriegel am Tag naschen kann, ohne dass man Auswirkungen verspürt. Über einen längeren Zeitraum jedoch, machte sich diese Angewohnheit dann doch bemerkbar – in Form von 2 Kilogramm mehr an Körpergewicht. Ups, wo kamen die denn her?

Die Antwort war nach kurzem Nachdenken sonnenklar: Ich hatte mir etwas Ungünstiges angewöhnt. Ausgelöst durch den Anblick der Naschereien auf der Schale, griff ich automatisch zu, ohne dass sich mein Verstand wie sonst mit der Information „Gesunde Menschen essen so etwas nicht… zumindest nicht täglich!“ zu Wort gemeldet hatte. Und über einen langen Zeitraum kumuliert hatte mein Körper genau das mit den zusätzlichen Kalorien getan, wozu sie biologisch auch gedacht sind: Er hatte sie fein säuberlich in seine Speicherfettdepots eingelagert.

Dies ist übrigens eine Eigenschaft, die viele Gewohnheiten und Routinen gemeinsam haben: Es sind winzig-kleine Schritte, die aber über einen längeren Zeitraum gegangen eine große Strecke zurücklegen und dich deinen Zielen ohne große Anstrengung immer näher bringen. Oder sie entfernen dich eben davon, wie in dem Beispiel hier.

Das gilt ganz besonders für den Bereich deiner Gesundheit. Dein gesundheitlicher Zustand, deine Fitness und Vitalität in 5 oder auch 10 Jahren, hängt zu einem Großteil von deinem heutigen Lebensstil ab! Dein Körper kann eine Menge ungünstiger Verhaltensweisen über einen langen Zeitraum kompensieren und weiter funktionieren, ohne dass du selbst eine große Veränderung bemerkst. Aber eines Tages kommt er dann an seine Grenzen. Und auf einmal willst du in den 4. Stock steigen und kannst es nicht mehr, weil du jahrelang auf Kosten deines Körpers Raubbau getrieben hast.

Gesunde Gewohnheiten entwickeln

Umgekehrt aber kannst du dir die Macht der Gewohnheiten natürlich auch zunutze machen, indem du gesunde, positive Gewohnheiten bewusst auswählst und gezielt aufbaust. Solche gesunden Gewohnheiten sind oft sehr einfach gehalten: Jede Treppe hoch laufen, statt den Fahrstuhl zu wählen oder ein Glas Wasser vor den Mahlzeiten trinken. Nichts davon wirkt irgendwie bedeutend oder etwa schwierig.

Aber über einen langen Zeitraum regelmäßig die Treppe statt den Fahrstuhl zu nutzen, baut deine Fitness und Ausdauer auf und macht dich gesünder. Ein Glas Wasser vor jeder Mahlzeit reduziert deine Kalorienzufuhr unmerklich um durchschnittlich etwa 20% ohne dass du hungerst oder darunter leidest und macht dich ganz allmählich schlanker. Schon allein diese beiden Beispiele zeigen, wie eine kleine Angewohnheit, regelmäßig praktiziert, dein Leben mit jedem Tag etwas gesünder machen kann.

Ich habe mal eine kleine Liste meiner 7 Lieblings-Gewohnheiten für eine gesündere Lebensweise zusammengestellt, die ich hier gerne mit dir teile:

  1. Jeden Morgen 10 Minuten meditieren reduziert Stress und führt zu mehr Ruhe und Gelassenheit am Tag.
  2. Ein Glas Wasser vor jeder Mahlzeit trinken reduziert deine Kalorienzufuhr ganz automatisch.
  3. Eine Station früher aus der Bahn steigen und die Strecke zu Fuß gehen verschafft dir mehr Bewegung.
  4. Die Treppe statt den Fahrstuhl oder die Rolltreppe nehmen trainiert deine Ausdauer und kräftigt dich.
  5. Sich jedes Mal im Spiegel anlächeln schüttet Glückshormone aus und stärkt gleichzeitig das Selbstbewusstsein.
  6. „Analoge“ Stunden am Tag nehmen, bei denen du alle digitalen Endgeräte meidest, hilft dir einer Überreizung deines Nervensystems vorzubeugen – abends eine Stunde vor dem Zubettgehen erleichtert das auch enorm das Einschlafen.
  7. Ein Blaulichtfilter-Tool für den PC oder das Smartphone am Abend zu nutzen sorgt ebenfalls für einen besseren Schlaf.

Wie du effektiv deine schlechten Gewohnheiten aufspürst

Es lohnt sich also, dir deine Gewohnheiten regelmäßig genauer anzusehen. Dabei kannst du dir zunächst einmal nur folgende Frage bei jeder einzelnen stellen:

Ist diese Gewohnheit eine, die mir auf lange Sicht einen Nutzen bringt oder kann sie sich über Jahre betrachtet aufaddieren zu etwas, das mir nicht gefallen wird?

Ich habe dazu meinen gesamten üblichen Tagesablauf einmal aufgeschrieben und mir diese Frage bei allen meinen Gewohnheiten und Routinen gestellt. Ich habe nicht schlecht gestaunt, wie viele Gewohnheiten ich bereits in meinen Alltag integriert hatte. Aber nicht alle wollte ich dann auch genau so beibehalten!

Noch einmal ein Beispiel zur Erinnerung: Wenn du jeden Tag 10 Minuten meditierst, dann ist das eine Gewohnheit, die einfach zu bewerkstelligen ist. Es macht auch auf den ersten Blick keinen großen Unterschied, ob du das tust oder nicht. Mit jedem Tag, den du aber an dieser Gewohnheit festhältst, nimmst du dir ein wenig Zeit für dich selbst und kommst zur Ruhe. Und mit der Zeit wirst du immer schneller diesen entspannten Zustand erreichen.

Wenn du aber jeden Tag deiner Arbeitstag mit einer Zigarette auf dem Heimweg beendest, dann mag dich das ebenfalls kurzfristig entspannen. Du wirst auch vermutlich nicht sofort eine negative Auswirkung bemerken. Über die Jahre hinweg aber schädigt das tägliche Rauchen deine Lunge und deinen Kreislauf und zerstört deine Gesundheit.

Es ist also wirklich wichtig, bei der Beurteilung deiner Gewohnheiten nicht auf deren kurzfristigen Nutzen oder Schaden zu sehen, sondern dich zu fragen, was in 5 oder 10 Jahren aller Voraussicht nach ihre Auswirkungen sein werden. Werden sie dich weiter bringen oder hebeln sie auf lange Sicht deine Ziele aus?

Und ja, es ist an dieser Stelle wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein und sich nicht auf Denkweisen wie: „Ich weiß zwar, dass Rauchen Krebs verursacht, aber mir passiert das schon nicht.“ zu verlagern. Diese dienen nämlich nur der Verdrängung dessen, was du sehr wohl über die negativen Auswirkungen deiner ungesunden Gewohnheiten weißt.

Eine Gewohnheit hat leider auch keine neutralen Auswirkungen, wenn du sie langfristig betrachtest. Sie ist in der Regel auf Dauer entweder nützlich oder schädlich für dein Leben. Manchmal allerdings ist das nicht so einfach zu beurteilen.

Nehmen wir einmal an, du übst regelmäßig eine bestimmte Sportart aus. Leider ist sie sehr belastend für deine Gelenke und du hast öfter Schmerzen im Nachgang. Dass du regelmäßig Sport machst, ist sicher gut für deine Gesundheit, keine Frage. Aber die Belastung kann auf lange Sicht deinen Gelenken so sehr schaden, dass du ernsthafte Probleme entwickelst – und dann ist diese Gewohnheit trotz des positiven Effekts der regelmäßigen Bewegung eben doch leider eher schädlich!

Die ehrliche Beantwortung der Frage „nützlich oder schädlich?“ ist ein Schlüssel zur Veränderung. Hast du erst einmal erkannt, das du dir schlechte Gewohnheiten zugelegt hast, ist es gar nicht so schwer, das zu verändern. Du kannst sie, wenn du das willst, relativ einfach ablegen und neue, gesündere Gewohnheiten annehmen. Dabei helfen dir einige Tipps aus dem Gewohnheiten-Design, die ich in einem meiner nächsten Artikel verraten werde. Da erfährst du dann auch, wie ich der „Schokoriegel-Falle“ auf dem Bürotisch entkommen lernte ;-).

Liebe Grüße und bleib gesund,

Deine Unterschrieben mit Viola

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